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LEG: Nutzen Sie das volle Potenzial

  • Autorenbild: R B
    R B
  • 18. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Jan.


Wenn LEG, dann richtig – warum lokale Energiegemeinschaften mehr können als jeder VNB allein


1. Das neue Energiegesetz verändert alles


Mit dem Mantelerlass 2026 werden Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) gesetzlich möglich. Bürger, Unternehmen und Gemeinden können Strom gemeinschaftlich erzeugen, handeln und verbrauchen – unabhängig von klassischen Energieversorgern. Ziel ist lokale Wertschöpfung, Preisstabilität und mehr Energieautonomie.


2. VNB vs. LEG – zwei Systeme, ein Netz


Der Verteilnetzbetreiber (VNB) bleibt für Netzsicherheit, Messung und Laststeuerung zuständig. Doch wirtschaftlich und organisatorisch ist er stark eingeschränkt.


Der VNB darf keinen Stromhandel betreiben, keine Gewinne erwirtschaften und muss politisch abgestimmte Prozesse durchlaufen, bevor Investitionen erfolgen. Seine Aufgabe ist der stabile Netzbetrieb – nicht die wirtschaftliche Optimierung.


Die LEG dagegen kann frei agieren: Sie darf Strom am Markt kaufen oder verkaufen, Speicher wirtschaftlich betreiben, Preise flexibel gestalten und lokale Erträge an die Mitglieder weitergeben. Entscheidungen werden schnell und genossenschaftlich getroffen.


Kurz gesagt: Der VNB hält das Netz stabil – die LEG macht es wirtschaftlich lebendig. Beide ergänzen sich, aber nur die LEG kann wirtschaftliche Vorteile schaffen.


3. Batteriespeicher – das Rückgrat jeder LEG


Ein LEG ohne Speicher verschenkt Potenzial. Batteriesysteme eröffnen gleich mehrere Ertragsquellen:


  • Regelenergie (PRL / SRL ±): Einspeisung oder Aufnahme von Strom nach Swissgrid-Vorgaben mit attraktiven Vergütungen.

  • Peak-Shaving: Glättung von Lastspitzen senkt Netzkosten.

  • Energie-Arbitrage: Strom günstig speichern, teuer verkaufen.

  • Virtuelle Speichervermietung: Dritte können Kapazität buchen – neue Einnahmequelle.

  • Netzdienstleistungen: Spannungsstützung, Blindleistungskompensation, Frequenzhaltung.


Damit ersetzt der Speicher teuren Netzausbau und wird zum wirtschaftlichen Zentrum der LEG.


4. Flexibilität nutzen statt verschwenden


Die Stärke einer LEG liegt in der koordinierten Steuerung aller Verbraucher. Wärmepumpen, Boiler, E-Autos oder Kühlanlagen können automatisch dann laufen, wenn Strom lokal verfügbar oder günstig ist.


Dazu genügt eine kleine Steuerungseinheit, die etwa 400 bis 650 Franken pro Haushalt kostet. Der Verbrauch passt sich dynamisch an die aktuelle Stromlage an.


Die Erträge aus dieser Flexibilitätsnutzung werden fair geteilt – zwei Drittel gehen an den Anschlussnehmer, ein Drittel an die Gemeinschaft. So profitieren alle, die an der LEG teilnehmen.


5. Ertragsmodelle einer modernen LEG


Eine LEG hat mehrere Einnahmequellen, die weit über klassische Stromtarife hinausgehen:


  1. Stromhandel: Einkauf am Spotmarkt und Verkauf lokaler Überschüsse an Mitglieder oder Gewerbe über grosse Verbraucher oder vZEV.

  2. Speicher- und Flexibilitätsgeschäft: Nutzung von Regelenergie, Peak-Shaving und zeitversetzter Einspeisung.

  3. PV-Flexibilität: Vergütung für gezieltes Abregeln bei Netzüberlastung – bis zu 750 Rp. pro kWh.

  4. Virtuelle Vermarktung: Zusammenschluss mehrerer Anlagen zu einem digitalen Energieportfolio.

  5. Netzdienstleistungen: Spannungshaltung, Frequenzstabilisierung und Blindleistungsmanagement.


So entsteht ein lokales Energiesystem, das wirtschaftlich arbeitet und gleichzeitig das Netz entlastet.


6. Einzel-vZEV vs. gemeinsame LEG


Einzelne virtuelle Zusammenschlüsse (vZEV) können kurzfristig funktionieren, sind aber langfristig teuer und ineffizient.


Ein vZEV bedeutet: eigene Messsysteme, individuelle Abrechnung, wenig Marktintegration und hohe Fixkosten. Jede Änderung muss einzeln umgesetzt werden.


Eine gemeinsame LEG dagegen nutzt eine zentrale Plattform. Verwaltung, Abrechnung und Datenmanagement laufen automatisiert. Die Kosten pro Teilnehmer sinken deutlich, und alle profitieren von der Marktintegration, den Batteriespeichern und der gemeinsamen Flexibilitätssteuerung.


Während ein einzelner vZEV nur den Eigenverbrauch optimiert, eröffnet die LEG zusätzliche Ertragsmöglichkeiten durch Handel, Regelenergie, Arbitrage und Netzunterstützung.


7. Die richtige Struktur – die Genossenschaft


Die Genossenschaft ist die ideale Organisationsform für eine LEG. Sie vereint Bürger, Gewerbe und Gemeinden auf Augenhöhe, schafft Transparenz und verteilt Erträge gerecht.


Eine Genossenschaft kann Strom handeln, Speicher betreiben, Fördergelder beantragen und Verträge mit dem VNB abschließen. Gleichzeitig bleibt die rechtliche Struktur einfach und steuerlich klar.


So entsteht eine Energiegemeinschaft, die demokratisch organisiert, wirtschaftlich effizient und technisch modern ist.


8. Fazit


Eine gut aufgebaute LEG ist weit mehr als eine Stromgemeinschaft. Sie ist ein lokales Energiesystem mit eigener Marktlogik, eigener Infrastruktur und echten wirtschaftlichen Vorteilen.


Der VNB bleibt zentraler Partner für Stabilität und Netzbetrieb.

Die LEG dagegen sorgt für wirtschaftliche Effizienz, lokale Preisgestaltung und gemeinschaftliche Teilhabe.


Wer eine LEG gründet, sollte sie richtig aufbauen: mit Batteriespeichern, intelligenter Steuerung, gemeinsamer Plattform und klarer Genossenschaftsstruktur.


Nur so entsteht ein Modell, das Strom, Wirtschaft und Gemeinschaft in Einklang bringt.


Wenn LEG – dann richtig.

Denn nur gemeinsam lässt sich das volle Potenzial lokaler Energie nutzen.



 
 
 

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