top of page

Wenn selbst Dorfwerke glauben, PV sei „böse“

  • Autorenbild: R B
    R B
  • 21. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

In der Schweizer Stromdebatte erleben wir gerade ein bemerkenswertes Phänomen:

Nicht nur große Elektrizitätskonzerne, sondern selbst kleinste Verteilnetzbetreiber (VNB) – Gemeindewerke mit 1.000 bis 2.000 Einwohnern – übernehmen plötzlich die Erzählung, Photovoltaik sei das Problem.


„Im Sommer haben wir zu viel Solarstrom.“

„Das Netz hält das nicht aus.“

„PV muss gedrosselt werden.“


Diese Sätze hört man inzwischen nicht nur von Konzernsprechern, sondern von Gemeinderäten, lokalen Werkleitern und Dorfpolitikern. Und genau das ist der eigentliche Skandal.


Von oben programmiert: PV als Sündenbock


Diese kleinen VNB haben eines gemeinsam:

Sie denken nicht aus eigener Erfahrung, sondern wiederholen Narrative, die von oben kommen:


  • vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE),

  • von Lobbyorganisationen wie Smart Grid Schweiz,

  • aus Bundesbern,

  • aus Strategiepapieren, die für ganz andere Systemgrößen geschrieben wurden.


Das ist bemerkenswert, denn gerade diese kleinen Netze:


  • haben oft überschaubare PV-Anteile,

  • kaum reale Sommer-Blackouts,

  • und profitieren lokal von dezentraler Erzeugung.


Trotzdem wird ihnen eingeredet:


„PV ist gefährlich. PV destabilisiert das Netz. PV ist zu viel.“


Nicht Atomstrom.

Nicht starre Großkraftwerke.

Nicht fehlende Speicher oder falsche Tarife.

Sondern: die Dächer der eigenen Bevölkerung.


Das Absurde daran: Die Zahlen sprechen dagegen


Was fast nie erwähnt wird:


  • Im Sommer produzieren Atomkraftwerke ein Vielfaches des PV-Stroms.

  • AKWs laufen durch – auch bei Stromüberschuss.

  • Sie sind wirtschaftlich auf Volllast ausgelegt und politisch geschützt.


Der Stromüberschuss im Sommer entsteht also nicht primär durch PV, sondern durch ein System, das:


  • unflexible Dauerproduktion garantiert,

  • und Flexibilität nicht bezahlt.



Doch statt diese Wahrheit auszusprechen, ist es einfacher, den vielen kleinen PV-Betreibern die Schuld zuzuschieben.


Warum kleine VNB das Narrativ übernehmen


Die Antwort ist unangenehm, aber simpel:


  1. Regulatorischer Druck von oben


    Gesetze und Verordnungen erlauben seit 2026 explizit die Drosselung von PV – ein klares Signal, wo das Problem angeblich liegt.

  2. Abhängigkeit von übergeordneten Netzebenen


    Kleine VNB hängen an kantonalen oder nationalen Netzen. Wer dort aneckt, bekommt Ärger – technisch, finanziell, politisch.

  3. Fehlende Ressourcen für eigene Analysen


    Ein Dorfwerk mit drei Mitarbeitenden schreibt keine Systemstudien. Man übernimmt, was Verbände vorgeben.



So entsteht eine gefährliche Dynamik:


Die Schwächsten verteidigen ein System, das ihnen langfristig schadet.


Die eigentliche Folge: Vertrauensbruch


Für die Bevölkerung bedeutet das:


  • Einspeisetarife werden halbiert,

  • Anlagen werden abgeregelt,

  • Investitionen verlieren Planungssicherheit.



Die Botschaft an Bürgerinnen und Bürger lautet:


„Baut PV – aber beschwert euch nicht, wenn wir sie abschalten.“


Das ist kein Energiewende-Signal.

Das ist ein Vertrauensbruch.


Das Problem ist nicht PV – es ist das Systemdesign


Wir haben kein „zu viel Solarstrom“-Problem.

Wir haben:


  • zu wenig Speicher,

  • falsche Netzentgelte,

  • keine Vergütung für Flexibilität,

  • und politisch garantierte Dauerläufer im System.



Solange das so bleibt, wird man immer einen Schuldigen brauchen.

Und der ist bequemerweise:


  • dezentral,

  • klein,

  • schlecht organisiert.



Also: PV.



Fazit



Dass selbst kleinste Gemeindewerke heute erzählen, Photovoltaik sei „böse“, zeigt nicht, dass PV das Problem ist.

Es zeigt, wie erfolgreich dieses Narrativ von oben durchgedrückt wurde.


Die Energiewende scheitert nicht an zu vielen Solaranlagen.

Sie scheitert daran, dass wir ein altes Stromsystem mit neuen Technologien füttern – und dann den Neuen die Schuld geben.




Sag einfach.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
LEG: Nutzen Sie das volle Potenzial

Wenn LEG, dann richtig – warum lokale Energiegemeinschaften mehr können als jeder VNB allein 1. Das neue Energiegesetz verändert alles Mit dem Mantelerlass 2026 werden Lokale Elektrizitätsgemeinschaft

 
 
 

Kommentare


bottom of page